Katholische Pflegehilfe Essen reagiert auf Merkel-Interview

„Das Lob der Kanzlerin tut gut, aber wir brauchen echte Veränderungen!“

Die Katholische Pflegehilfe Essen (KPH) – mit 1700 Patienten und Bewohnern sowie 520 Mitarbeitenden einer der wichtigsten Anbieter von Pflegeleistungen in Essen – hat mit Genugtuung auf die Interviewäußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Boulevardzeitung reagiert. Die wichtigste deutsche Politikerin wird dort mit den Worten zitiert: „Es gibt so viele Menschen, die härtere Belastungen als ich tragen, z.B. Altenpflegerinnen.“ (Bild, 16. März 2013)

markus-kamplingKPH-Geschäftsführer Markus Kampling: „Wir sind stolz, dass die Kanzlerin ihrer Wertschätzung unserer Arbeit mit diesen Worten Ausdruck verliehen hat. Die Äußerung spornt uns zugleich an, in unserem Engagement für alte und kranke Menschen nicht nachzulassen!“ Allerdings übte Kampling auch Kritik: „Schöne Worte allein helfen uns aber nicht weiter: Was wir brauchen, sind veränderte Rahmenbedingen, so dass wir unsere Arbeit weiterhin gut erledigen können.“ Dazu gehören nach seiner Ansicht insbesondere die ausreichenden finanziellen Mittel für die Leistungserbringer, damit menschenwürdige Pflege möglich bleibt.

„Wir erleben derzeit, wie die Pflegekassen einen erheblichen Kostendruck aufbauen und uns mit immer mehr bürokratischen Hürden in die Pflicht nehmen. Da bleibt schon mal das persönliche Gespräch mit den alten Menschen auf der Strecke.“ Und dies sei ja gerade für jene Patienten so wichtig, die außer den täglichen Besuchen der Pflegekräfte kaum noch Ansprechpartner haben. „Oftmals sind unsere Mitarbeiter ja die einzigen echten Sozialkontakte, mit denen diese Menschen reden können.“

Doch der Druck der Kassen, immer mehr Leistung in immer weniger Zeit zu verlangen, enge die Spielräume der Pflegekräfte weiter ein. „Ich würde mich freuen, wenn Angela Merkel das Thema Pflege zur ‚Chef-Sache’ macht – es wird ohnehin eines der wichtigsten innenpolitischen Themen der nächsten Jahre sein!“ Kampling spielt damit auf die demographische Entwicklung an, die voraussagt, dass sich zum Beispiel die Zahl der Pflegedürftigen in NRW bis zum Jahr 2050 von derzeit 500.000 auf 930.000 verdoppeln werde. „An der Lösung dieses Problems muss dringend gearbeitet werden, wenn es uns nicht in wenigen Jahren überrollen soll!“