Essen, 11.12.2020. Die öffentliche Diskussion über die Art, wie man das bevorstehende Weihnachtsfest begehen sollte, ist in vollem Gange. Für Senioreneinrichtungen scheint die Situation etwas klarer zu sein. Schließlich sind die Vorgaben für Besuche an den Feiertagen bereits in der aktuell geltenden allgemeinen Verordnung geregelt. So besteht die Möglichkeit, dass Bewohnende von Senioreneinrichtungen an jedem Feiertag Besuch von bis zu 4 Personen bekommen können oder dass sie die Einrichtung für eine private Feier für bis zu sechs Stunden verlassen dürfen. Welches Risiko das bedeuten kann, beschreibt Markus Kampling, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Katholischen Pflegehilfe.

„Die Organisation der Weihnachtszeit macht uns große Sorge“, sagt Markus Kampling, der als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Katholischen Pflegehilfe für Einrichtungen wie das Seniorenzentrum St. Martin in Rüttenscheid und das Haus Fürstenberg in Borbeck verantwortlich zeichnet. „Wir befinden uns hier in einem Zwiespalt. Einerseits sehen wir natürlich die uns anvertrauten Menschen und die Bedeutung des uns allen wichtigen Weihnachtsfests. Dazu mussten gerade die älteren Menschen in diesem Jahr schon sehr viel Verzicht üben, insbesondere in Bezug auf den Kontakt zu ihren Angehörigen und Freunden.“ Andererseits bestünde in der Möglichkeit, zum Weihnachtsfest von bis zu 4 Personen täglich Besuch bekommen zu können oder eine Einrichtung für einen Zeitraum von bis zu sechs Stunden verlassen zu dürfen, ein enormes Risiko.

Zwei Mal pro Tag dürfen Bewohnende einer Senioreneinrichtung im Rahmen der aktuell geltenden Richtlinien an den Feiertagen von zwei Personen besucht werden.

„Für unser Seniorenzentrum St. Martin in Essen-Rüttenscheid würde dies zum Beispiel bedeuten, dass über die Weihnachtsfeiertage mehr als 1.200 Besucher ins Haus kommen können, um ihre Angehörigen zu sehen. Allein am Heiligen Abend sprechen wir von bis zu 408 Personen“, erläutert Markus Kampling. „Dies wäre aus unserer Sicht als Träger der Einrichtung in Bezug auf unsere so verletzliche Personengruppe unverantwortlich.“

Noch kritischer stellt sich die Situation der Teilnahme an privaten Feiern dar. Verlässt eine Person, die in einer Senioreneinrichtung wohnt, das Haus, um an einer privaten Feier teilzunehmen, ist sie automatisch einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt.

Dieses überträgt sich bei der Rückkehr in die Einrichtung zumindest auch auf alle weiteren Personen, die mit dieser Person in Kontakt stehen.

„In diesem Fall haben Einzelentscheidungen plötzlich eine dramatische Auswirkung für die gesamte Gemeinschaft“, sagt Markus Kampling.

„Wir haben in unserem täglichen Kontakt mit Personen der Hauptrisikogruppe seit Monaten sehr strenge Regeln umgesetzt, um sie bestmöglich vor einer Infektion und möglichen verheerenden Folgen zu bewahren“, erklärt er. „Das war wichtig und richtig, ist uns persönlich aber nicht immer leicht gefallen. Die Feiertage stellen uns nun vor eine Herausforderung, die an Dramatik kaum zu übertreffen ist.“

Weiterhin befinden sich die generellen Infektionszahlen in Deutschland auf einem sehr hohen Niveau. „Inzwischen hat auch die Zahl der in Verbindung mit einer COVID-Erkrankung verstorbenen Personen einen erschreckend hohen Stand erreicht“, sagt Markus Kampling. „Da Gemeinschaften wie die unsrigen weiter das höchste Risiko tragen, bei einer Erkrankung einen schweren bis lebensbedrohlichen Verlauf erwarten zu müssen, ist es unsere gemeinsame Verantwortung, auch mit Blick auf die Feiertage solidarisch und mit aller gebotenen Vorsicht zu handeln.“ So sei es Aufgabe, den bestmöglichen Schutz aufzubauen und weiter sicherzustellen, dass sich alle mit den Einrichtungen verbundenen Personen zu jeder Zeit sicher und geborgen fühlen.

Um das Risiko für Bewohnende einzugrenzen, haben Träger von sozialen Einrichtungen die Möglichkeit, ergänzende Empfehlungen für ihre Einrichtungen zu erlassen. „Wir sensibilisieren alle beteiligten Personen zum weiterhin sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang mit der Situation und kommunizieren unsere Empfehlungen für eine Risikominimierung während der Feiertage“, beschreibt Markus Kampling die Vorgehensweise der Katholischen Pflegehilfe. Denn der Schutz der Gesundheit und die Sicherheit der anvertrauten Personen habe auch in der Advents- und Weihnachtszeit allerhöchste Priorität.