Wer wir sind – was wir wollen

Auf die drei zentralen Fragen „Woher kommen wir?“, „Wer sind wir?“ und „Wohin wollen wir?“ versuchen wir, verständliche Antworten zu geben. Es bietet somit Möglichkeit der Orientierung für die zu Pflegenden und deren Angehörige als auch für die „breite Öffentlichkeit“.

Woher kommen wir?

Das christliche Menschenbild mit seiner Aufforderung zur Caritas (tätigen Nächstenliebe) hat die abendländische Kultur in besonderem Maße geprägt. Menschen aller Zeiten sehen in dieser Caritas das zentrale Wesensmerkmal des Christentums und fühlen sich ihr verpflichtet – einzeln oder in Gruppen. Eine davon ist die Katholische Pflegehilfe Essen, deren Fundament vor mehr als 40 Jahren durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, Gemeindekrankenschwestern, Pfarrer und dem Caritasverband für die Stadt Essen gelegt wurde.

Die Entstehung der Katholischen Familienhilfe Essen

Wie in anderen Städten des Ruhrbistums wurden seinerzeit Kranke in den Essener katholischen Pfarreien oft durch Gemeindekrankenschwestern (oftmals Ordensfrauen) und Ehrenamtliche gepflegt. Deren abnehmende Zahl und die gleichzeitig wachsende Zahl von Kranken in den Gemeinden veranlassten den Caritasverband für die Stadt Essen, Kurse für Hauskrankenpflege anzubieten: Nach Abschluss des ersten Kurses in Rüttenscheid wurde bereits die erste Pflegehilfegruppe gegründet. Diesem Vorbild folgend entstanden nach und nach in vielen Kirchengemeinden des Essener Stadtgebietes Pflegehilfegruppen – bis 1978 waren es 34. Der Name „Katholische Familienhilfe“ wurde gewählt, weil es den Pflegerinnen ein Anliegen war, hilfebedürftige Familien zu unterstützen.

Lehrgang für Familienpflegehelferinnen

Die Teilnehmerinnen an den Lehrgängen für Familienpflegehelferinnen brachten ein überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement mit: So war eine unabdingbare Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Kurses die Teilnahme an einem mehr als sechsmonatigen Lehrgang, der wöchentliche Treffen und insgesamt 100 Unterrichtsstunden beinhaltete, davon 20 Stunden Praktikum in der Kranken-, Alten-, Kinder- oder Familienpflege. Ab dem Jahr 1980 wurden zudem Praktika in Krankenhäusern und Altenheimen angeboten.

Die Teilnehmerinnen der Lehrgänge bildeten schließlich auf der Pfarrebene Gruppen, die sich „Familienhilfe“ nannten. Aus ihrer Mitte wählten sie eine „Einsatzleitung“, die koordinierend arbeitete und die notwendigen Formalitäten (gerade in finanziellen Fragen) mit Behörden, Krankenkassen etc. erledigte. Einige Pflegehelferinnen begleiteten morgens die Gemeindekrankenschwester. So wurde ehrenamtliche, freiwillige und berufliche Pflege in der Lebenswelt katholischer Kirchengemeinden vernetzt. Aus der Tiefe der Gemeinde kommend haben sich diese Gruppen in den Dienst der Gemeinde gestellt.

Aufgaben der Familienhilfe

Neben der Verrichtung der Grundpflege, der kompetenten Hilfe bei Behördenangelegenheiten und der Bewältigung des Alltags sorgten die Mitarbeiterinnen auch dafür, dass der Kontakt zur Gemeinde nicht abriss: Sie begleiteten die Patienten zu Gottesdiensten, Pfarrveranstaltungen, beteten mit ihnen und bereiteten die Kranken auf den Besuch der Seelsorger vor.

Enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden

Die gute Zusammenarbeit mit Pfarrern und Pastören, Mitarbeiter(innen) der Gemeinden und anderen Ehrenamtlichen war der Garant für den Erfolg der Katholischen Familienpflege: Die Kirchengemeinde informierte über die Katholische Familienhilfe und die in den Pfarrbüros eingehenden Anfragen zur Pflege wurden entsprechend weitergeleitet. Den Gruppen der Katholischen Familienpflege wurden Pfarrheime und andere Räumlichkeiten für Treffen, Fortbildungen und Büros zur Verfügung gestellt.

Sozialpolitische Veränderungen und deren Auswirkungen

Im Jahr 1976 geriet die ambulante Krankenpflege in den Blick der Politik: Der Rat der Stadt Essen gab den Wohlfahrtsverbänden den Auftrag, sog. Sozialstationen einzurichten. Diese mussten ihre Leistungen jetzt sowohl mit Krankenkassen, Sozialämtern und den Patientinnen und Patienten abrechnen. Die 1995 eingeführte Pflegeversicherung brachte weitere Veränderungen. Bisher mussten die Kosten der Pflege – außer bei der Krankenbehandlung – von den Betroffenen selbst getragen werden, bei Bedürftigkeit mit der Unterstützung durch die Sozialhilfe. Ferner war die Beteiligung an Qualitätssicherung jetzt verpflichtend vorgeschrieben.

Gründung des „Katholische Pflegehilfe e.V.“ 1991

Die Gruppen der Katholischen Familienhilfe gehörten zunächst zum Fachverband der Caritas-Konferenzen im Diözesanverband Essen an. 1982 wurde der erste Vorstand für die umbenannte „Katholische Pflegehilfe“ gewählt, die sich am 7. Januar 1991 mit der Gründungsversammlung der Katholischen Pflegehilfe e.V. zu einem Verein zusammenschloss. Stattliche Zahlen gab es auch damals schon zu vermelden: 533 Helferinnen und Helfer wurden in 32 Kirchengemeinden eingesetzt und versorgten 678 Personen (Pflege bis dreimal täglich). 230.000 Stunden wurden geleistet und vergütet, weitere zahllose ehrenamtliche Stunden kamen noch hinzu.

Wer sind wir – jetzt?

Zielsetzung unserer Arbeit ist die Förderung und Unterstützung der ambulanten, aber auch stationären Kranken- und Altenpflege sowie die damit im Zusammenhang stehende hauswirtschaftliche Versorgung der von uns betreuten Menschen. Unser Verein greift in der Organisation unserer Arbeit die pfarr- und gemeindebezogenen Strukturen auf und führt darüber hinaus alle jene Tätigkeiten aus, die zur Abrundung dieser Schwerpunkte sinnvoll erschienen (zum Beispiel Leistungen des Betreuungsrechts, betreutes Wohnen, stationäre Kurzzeitpflege, Seniorenberatung und Seniorenbetreuung, Notrufdienste).

Unter dem Dach der Katholischen Pflegehilfe Essen e.V. wurde im Jahre 2002 die Katholische Pflegehilfe Essen mGmbH (mildtätige Gesellschaft mit beschränkter Haftung) gegründet, die unter anderem das Ziel der Durchführung der ambulanten Alten- und Krankenpflege verfolgt. Zurzeit gibt es 22 Pflegegruppen in den katholischen Kirchengemeinden unserer Stadt mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von denen 185 Pflegefachkräfte sind. Sie stellen die pflegerische Versorgung der Patientinnen und Patienten im Sinne der gesetzlichen Vorgaben sicher.

Seit 2007 gehört das Seniorenzentrum St. Martin gGmbH, das in einer umgewidmeten Kirche errichtet wurde und 102 stationäre Plätze bereithält, ebenfalls zur Katholischen Pflegehilfe. 2010 wurde die Tochter “Katholische Pflegehilfe – Alltagsdienstleistungen GmbH” gegründet, die neue Angebote aufbaut. In all unseren Tätigkeitsfeldern wird das ehrenamtliche Engagement unterstützt und gefördert.

Den Einrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind wir ein verlässlicher und kompetenter Partner. Wir engagieren uns für die uns anvertrauten Menschen und übernehmen Verantwortung in Kirche, Politik und Gesellschaft. Unsere Wurzeln geben uns Kraft, auch in stürmischen Zeiten unserer christlichen Verantwortung in all unserem Tun gerecht zu werden und weiter zu wachsen, wobei wir Verantwortung in Kirche, Politik und Gesellschaft übernehmen.

Wohin wollen wir?

Wir sind ein Unternehmen „in Entwicklung“. Die Katholische Pflegehilfe Essen und ihre Einrichtungen sind ein Unternehmen, das sich weiterentwickelt. Veränderungen in Gesellschaft und Kirche greifen wir auf und richten unsere Arbeit an der Lebenswirklichkeit jener Menschen aus, die wir versorgen und betreuen. Wir arbeiten mit den Ehrenamtlichen und Freiwilligen der Kirchengemeinden zusammen und die Informationsweitergabe an unsere Patientinnen und Patienten über das aktuelle Geschehen in der Kirchengemeinde gehört auch zu unseren Aufgaben. Wir leben aus und mit der Geschichte und spüren, dass auch heute noch gemeindenahe Versorgung gefragt ist.

Unser Netzwerk

Wir sind ein Unternehmen, das über die Kirchengemeinden und das Bistum hinaus ein stabiles, belastbares Netzwerk aufgebaut hat. Wir verfügen über Partner in allen Bereichen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens und können dadurch eine optimale Versorgung unserer Patienten mit dem Ziel sicherstellen, deren Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.

Verantwortung für junge Menschen

Die Katholische Pflegehilfe Essen e.V. ist sich auch seiner Verantwortung jungen Menschen gegenüber bewusst und stellt Ausbildungsplätze im kaufmännischen Bereich und in der Gesundheit-, Kranken- und Altenpflege sowie weitere 30 Praktikumsplätze für Auszubildende im Bereich der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zur Verfügung.

Unsere Leitsätze

Überzeugte Christinnen und Christen wollen die Katholische Pflegehilfe Essen. Die Nähe zu unseren Pfarreien, in welchen wir ja unseren geschichtlichen Ursprung haben, ist uns nach wie vor wichtig. Wir verknüpfen uns auch zukünftig mit den Gemeinden und ihren ehrenamtlichen, freiwilligen und beruflichen Mitarbeitern.

Wir bieten geistliche Begleitung für die uns anvertrauten Menschen (unsere Bewohner, Patienten und Mitarbeiter) an. Dies zeigt sich in der Feier von Gottesdiensten (Eucharistie), der Verkündigung des Wortes Gottes (Liturgie) und das fachliche handeln in Form von Caritas (Diakonie).

Die Stärken der einzelnen Einrichtungen innerhalb der katholischen Pflegehilfe Essen e.V. wollen wir uns gegenseitig zu Nutze machen. Das Netzwerk für alte, kranke oder pflegebedürftige Mitmenschen kommt der gesamten Bevölkerung unserer Stadt zugute.

Die Einrichtungen des Katholischen Pflegehilfe Essen e.V. wollen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, zum Beispiel mit dem ärztlichen Dienst, anderen Seniorenheimen, Kliniken, MDK, Heimaufsicht, Krankenkassen, Caritasverband und der Berufsgenossenschaft.

Wir achten auf besondere Qualität in unserer Arbeit. Dazu nutzen wir ständig unser auf Verbesserung ausgelegtes Qualitätsmanagement. Zu den regelmäßig durchgeführten internen Qualitätskontrollen werden wir auch von unabhängigen Institutionen überprüft.

Ausblick

In den vergangenen Jahren haben wir erfolgreich gearbeitet und viel erreicht. Doch Veränderungen in Kirche und Gesellschaft stellen auch uns vor immer neue Aufgaben, denen wir uns weder verweigern wollen noch können. Deshalb wollen wir nicht im Erreichten stehen bleiben, sondern sind bestrebt, uns zum Wohl der uns anvertrauten Menschen jeden Tag neu auf Herausforderungen einzulassen und sie mit Mut und Gottvertrauen zu bewältigen.